2012 Weleda – Diversity Management

Das Unternehmerinnen-Netzwerk hatte im Rahmen des Jahresmottos „Diversity“ eine Führungspersönlichkeit eingeladen, die sich sehr intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt. Frau Dr. Isabella Heidinger, Leiterin des Competence Centre der Weleda Group in Schwäbisch Gmünd, gab einen Einblick in die Materie.

Was bedeutet Diversity – zu deutsch Diversität? Im Duden finden sich hierfür Sinndeutungen wie Vielfalt, Unterschiedlichkeit, Reichhaltigkeit.

Warum ist Diversity Management in einem Unternehmen wertvoll? Nach dem französischen Vorbild der „Charte de al diversité“ gründeten die Unternehmen Daimler, BP Europe SE, Deutsche Bank und Deutsche Telekom im Dezember 2006 die „Charta der Vielfalt“. Sie beginnt mit folgendem Wortlaut: ‚Die Vielfalt der modernen Gesellschaft, beeinflußt durch die Globalisierung und den demographischen Wandel, prägt das Wirtschaftsleben in Deutschland. Wir können wirtschaftlich nur erfolgreich sein, wenn wir die vorhandene Vielfalt erkennen und nutzen‘. An anderer Stelle heißt es: ‚Die Initiative will die Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Unternehmenskultur in Deutschland voranbringen‘.
Dieses Vorhaben deckt sich weitgehend mit dem Unternehmensmotto von Weleda. Es heißt: „im Einklang mit Mensch und Natur“, zusammengefaßt aus den anthroposophischen Grundsätzen von Dr. Rudolph Steiner, die seit dem Gründungsjahr 1921 im Vordergrund stehen. Deshalb unterzeichnete Weleda schon im Jahre 2007 diese Charta, deren Schirmherrin Bundeskanzlerin Angela Merkel ist. Mehr als 1250 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen haben sich mittlerweile der Initiative angeschlossen.

Wie kann Diversity Management im Unternehmen umgesetzt werden? Weleda begreife Vielfalt als Ressource, die den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend genutzt werden kann, meint Dr. Heidinger. Entscheidend seien die Wertschätzung der Vielfalt der Mitarbeitenden und die bewußte Steuerung für gute Zusammenarbeit und wirtschaftlichen Erfolg. Dr. Heidinger sieht vier Handlungsfelder, die im Betrieb Beachtung finden: Frauen und Männer (Gender) / Lebensphasen (Beruf u. Familie, Demografie, Age-Management usw.) / Kulturen (Interkulturelle Kompetenz) / Individuelle „Gesundheiten“ (Betriebliches Gesundheitsmanagement).

Was ist das Ziel von Diversity Management?
Für Weleda skizziert Frau Dr. Heidinger folgende Ziele: an erster Stelle stehe die Förderung und der Erhalt der Leistungsbereitschaft sowie der Gesundheit der Mitarbeitenden. Durch das Zusammenstellen von gemischten Teams (Gender, Generationen, Kulturen) kann die Innovationsfähigkeit, Kreativität, Effektivität und die Effizienz gesteigert werden. Ferner soll eine gender-, lebenszyklen-, gesundheits- und kulturensensible Unternehmenskultur entwickelt werden. Weleda möchte auch die Attraktivität als Arbeitgeber weiter steigern, das Unternehmen will employer of choice für die Generation Y sein.
Um diese Ziele erreichen zu können, beschäftige sich das Unternehmen Weleda mit dem Konzept der Salutogenese (Gesundheitsentstehung). Entgegen der Pathogenetischen (Krankmachenden) Schlüsselfrage: ‚Was macht mich krank?‘, lautet die Frage der Salutogenese: ‚Wie erhält man Gesundheit?‘. ‚Ziel einer salutogenetischen Betrachtungsweise im Betrieb muß es sein, eine gute Arbeitsleistung mit einer hohen Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu vereinbaren. Ein Führungsstil, der das Erlangen von Erfolg unter Aufrechterhaltung von psychischer, physischer und sozialer Gesundheit ermöglicht, wirkt sich langfristig positiv aus‘, so heißt es in der Definition der Salutogenese. Die Lehre der Anthroposophie versteht die Gesundheit schon lange als ganzheitlichen Begriff: körperlich – seelisch – geistig.

Im Unternehmen Weleda wird sehr darauf geachtet, die Beschäftigten in ihren Anliegen wahrzunehmen und ernst zu nehmen, schildert Frau Dr. Heidinger. Der Frauenanteil liegt bei 70 Prozent, der Anteil der Teilzeit bei 25 Prozent, das Durchschnittsalter bei Frauen wie Männern liegt bei 40 Jahren. Männer und Frauen haben die Möglichkeit, bis zu 18 Monaten Elternzeit zu nehmen. Den heutigen gesellschaftlichen Trends wie Individualisierung, Arbeitswelt und Familienwelt im Umbruch, sowie neuen Altersbildern wolle man Rechnung tragen.
Die Herausforderungen für Unternehmen seien hierbei Fachkräfte zu gewinnen, binden und leistungsfähig zu halten. Das geht nur, wenn gute Arbeitsbedingungen für Leistungsbereitschaft vorhanden sind, also eine Arbeitskulturlandschaft geschaffen wird, in der Menschen gerne leben, führt die Leiterin des Competence Centre der Weleda Group fort.

Frau Dr. Heidinger hat die Zuhörerinnen in ihren Vortrag so eingebunden, daß daraus eine lebendige Diskussion entstehen konnte. Das UnternehmerinnenNetzwerk bedankt sich herzlich bei Frau Dr. Heidinger für den gelungenen Abend. bm

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