2017 Digitalisierung ist weiblich. Zukunft auch.

Mit dem Vortrag „Digitalisierung ist weiblich. Zukunft auch“
zeigt eine Expertin, welche Chancen in einer neuen Arbeitswelt entstehen.

Es ist laut im Gewölbe der Volkshochschule Kirchheim: Musik und Stimmen vermischen sich. Doch es ist keine unangenehme Lautstärke. Aufregung und Neugierde sind zu spüren. Die Besucher warten auf Henriette Baumann. Die Diplom-Betriebswirtin spricht über Chancen für Frauen in der digitalen Arbeitswelt - dem Motto der diesjährigen landesweiten Frauenwirtschaftstage.

Es liegt nicht fern, eine Spezialistin im IT-Bereich zu diesem Event einzuladen. Henriette Baumann ist die perfekte Wahl. „Ich habe mit 17 Jahren das Programmieren in der Schule gelernt und seitdem bin ich ihm verfallen“, sagt die Gründerin des Schweizer Informatikerinnen Netzwerks „Donna Informatica“. Sie selbst bezeichnet sich zwar noch als einen „digital immigrant“, jemanden, der nicht mit dem digitalen System aufgewachsen ist, aber weiß, was heutzutage wichtig ist: „Wir machen die Dinge anders als früher. Wir müssen immer wieder neu denken.“

Die Digitalisierung verändert vieles. Sie beschleunigt die Welt, beeinflusst Gewohnheiten und sie schafft Arbeitsplätze. „Die Grenzen sind gefallen“, erklärt auch Henriette Baumann. Man ist jederzeit und überall erreichbar, kann den Handwerker über das Internet finden und kontaktieren. Das hat durchaus seine Vorteile, denn so können auch kleine Nischenanbieter gefunden werden. Das Angebot wächst, die Digitalisierung schafft Transparenz und Vergleichbarkeit. Jeder und alles lässt sich über Google finden. Doch diese Entwicklung fordert laut Henriette Baumann auch Veränderungen: Die sogenannten „Player“, also die Unternehmen, müssten schnell reagieren, neu denken, vorausdenken, querdenken. Interne Organisationsstrukturen werden auf den Kopf gestellt. „Es gibt mehr vernetzte Strukturen anstatt Hierarchien“, sagt Baumann. „Das erleichtert die gemeinsame Arbeit und fördert das Darüber-hinaus-Denken.“ Die weiblichen Stärken seien hier gefragt. Bei der Umsetzung neuer Ideen und Modelle benötigt es Sensibilität. „Die Herausforderungen im IT-Bereich sind immer weniger technisch, sondern mehr user- und kommunikationsorientiert“, meint Henriette Baumann.

Auch Frauen mit Kindern können aufatmen, denn die Arbeitswelt ist in Bewegung. „Es wird neue Jobs geben“, ist sich Henriette Baumann sicher. Flexible Arbeitszeiten, die zunehmende Ortsunabhängigkeit sowie Onlineweiterbildungen und -qualifikationen machen Frauen den Berufswiedereinstieg leichter. Das können auch die Expertinnen bestätigen, die in einer Diskussion aus ihrem Arbeitsleben erzählen. Neben Henriette Baumann sind Anna-Lena Swager und Dorothy Fohtung, Nathalie Pfau-Weller sowie Ute Günther IT-Profis. Swager und Fohtung arbeiten für Team-Viewer, einem Hersteller von Fernwartungssystemen, Pfau-Weller ist Kirchheimer Stadträtin und Projektleiterin am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Ute Günter ist beim Heidelberger Softwarehaus SAS für Controlling zuständig.

In einer Podiumsdiskussion mit Felicitas Wehnert erzählen sie, wie die Digitalisierung ihre Leben geprägt hat, wie sie mit der digitalen Welt in Berührung gekommen sind und was ihnen die Digitalisierung persönlich gebracht hat. Die Expertinnen sind sich einig. „Die Digitalisierung hat dafür gesorgt, dass ich mein Berufsleben und Familie in Einklang bringen konnte“, sagt Dorothy Fohtung. Für die Expertinnen ist es wichtig, dass sich junge Frauen nicht auf eine Sparte im Berufsleben festlegen. Es sei wichtig, sich ständig weiterzubilden und anpassen zu können. Sie sollen das tun, was sie interessiert, für das sie eine Leidenschaft hegen. Der Rest ergibt sich.
Von Sabrina Kreuzer, Der TECKBOTE

> zurück