2016 Vortrag der Diplom-Betriebswirtin (DH) und Softwareentwicklerin Henriette Baumann zum Thema Open Source

Am Donnerstag den 10.11.2016 hatte das Unternehmerinnen-Netzwerk Frauen unternehmen e.V. die Diplom-Betriebswirtin (DH) und Softwareentwicklerin Henriette Baumann zu Gast.

Zur Person: Nach dem Studium der Betriebswirtschaft und Informatik war Henriette Baumann bei verschiedenen renommierten Finanzdienstleistungs-Unternehmen in der Software-Entwicklung tätig. Ihre Spezialisierung liegt in der Spezifikation und Einführung von Business-Software-Systemen. Als Diplom-Betriebswirtin und Informatikerin mit langjähriger Projekt- und Programmiererfahrung ist Henriette Baumann die perfekte Schnittstelle zwischen Business und IT. Zu ihrem Portfolio gehören Anforderungs- und Business-Analysen und die Umsetzung in IT-Lösungskonzeptionen. Als Fachbuchautorin eines Software-Engineering-Bestsellers („UML 2 projektorientiert“) gehört sie zu den erfahrensten Software-Architekten. Zudem besitzt Henriette Baumann langjährige Branchenerfahrung im Finanzdienstleistungs- und Mediensektor. Mit ihren Branchenkenntnissen und ihrem technischen Know-How hat sie schon so manches Krisenprojekt aus der Schieflage geholt.

Henriette Baumann ist Gründerin des Informatikerinnen-Netzwerkes donna informatica. Sie war 2002 bis 2014 Vorstandsmitglied der Schweizer Informatik Gesellschaft SI und ist seit 2009 Vorstandsmitglied der im deutschsprachigen Raum tätigen Open Source Business Alliance OSBA. Sie ist zudem Mitglied der Fachgruppe IT-Compliance der Schweizer Informatik Gesellschaft SI.

Im Oktober 2014 wurde Henriette Baumann vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) als Vorbild-Unternehmerin der Initiative „FRAUEN unternehmen“ ausgewählt.

Nach ihrer Vorstellung erzählte Frau Baumann den Zuhörerinnen, wie sie in den 80er Jahren – in einer nahezu ausschließlichen Männerdomäne - zur Softwareentwicklung kam. Und dass sich daran zu ihrem völligen Unverständnis kaum etwas geändert habe, obwohl Frau Baumann vor allem die Entwicklung von Open Source Projekten von der Struktur her als „eigentlich total weiblich“ bezeichnet.

Open Source (OS) Entwicklung, in den 70er Jahren entstanden, ist die Programmierung von lizenzfreier Software mit offenen Quellcodes, die beliebig änderbar und technikneutral sind. Sicherheitslücken sind – im Gegensatz zu Lizenzsoftware – gut zu identifizieren und durch die Vielzahl an weltweit zusammen arbeitenden Entwickler Communities ist OS-Software schnell, effizient und durch die Vervielfachung von Wissen und Information vor allem innovativ. Und es entsteht nichts, was nicht gebraucht wird. In diesen Entwickler Communities gibt es keine Machtstrukturen, keine Diskriminierung, die Kommunikation ist zwanglos und freundschaftlich und es gibt weder Zeit- noch Leistungsdruck. Ein sogenannter „Maintainer“, der von der Communitiy gewählt wird, hat die Aufgabe, weltweit die Änderungen der Programmierer zusammenzutragen und zu protokollieren, d.h. allerdings, dieser Maintainer muss „richtig gut sein“, damit kein Chaos entsteht. In den Entwickler Communities finden sich zahlreiche Studenten, im Moment viele aus Kamerun und Ghana, z.B um programmieren zu lernen und - wie Frau Baumann meint – „es einfach unglaublich Spaß macht“. Längst arbeiten auch Konzerne wie z.B. IBM oder Google-Mitarbeitende in OS-Projekten, da ohne Open Source kaum mehr Innovationen möglich sind.

Henriette Baumann ist in der Open Source Business Alliance (OSB Alliance) als einzige Frau im 12-köpfigen Vorstand. Der OSB Alliance ist ein vor 10 Jahren gegründeter Interessenverband für die Open-Source-Szene mit etwa 160 Mitglieder und ist vielen Bereichen engagiert. Frau Baumann ist seit langem im Bereich „Education“ tätig, wo die OSB Alliance die Regierung sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene beim Thema Digitalisierung berät. Dabei ist es (ihr) wichtig, dem Lobbyismus großer Konzerne etwas entgegen zu setzten, hier steht die OSB Alliance für Selbstbestimmung im digitalen Wandel, vertrauenswürdige, sichere und moderne IT-Infrastruktur, den freien Wettbewerb ohne Hürden und offene Standards, uneingeschränkte Netzneutralität und für freie Verfügbarkeit von öffentlich finanzierter Software.

Alles in allem war es ein informativer Abend zu einem spannenden Thema, vor allem mit großer Leidenschaft von Henriette Baumann vorgetragen.

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