2018 Besichtigung des Unternehmens CeGat GmbH in Tübingen, Vortrag und Führung durch Dr. Saskia Biskup

Das Unternehmerinnen-Netzwerk Frauen unternehmen e.V. besucht einmal jährlich ein frauengeführtes Unternehmen. Dieses Jahr fuhren 14 Unternehmerinnen nach Tübingen, um die von Dr. Saskia Biskup und Dr. Dirk Biskup gegründete CeGat GmbH zu besichtigen.

Dr. med. Dr. rer. nat. Saskia Biskup, Fachärztin für Humangenetik, empfing die Besucherinnen in dem modernen, 3-stöckigen Gebäude mit einem sehr anschaulichen und auch für medizinisch-biologische Laien gut verständlichen Vortrag über die Humangenetik, ihren persönlichen Werdegang und die Gründung der CeGat GmbH.
Diese ist ein mittelständischer Dienstleister im Bereich der Medizin und Biotechnologie und bietet die Entschlüsselung von Erbinformationen und die medizinische Interpretation dieser Daten an.

Höchste Qualität und ein starkes Team an Mitarbeitenden hatte von Anfang an absoluten Vorrang für die Geschäftsführer*in Saskia und Dirk Biskup. Seit 2009 wurden über 100 Arbeitsplätze geschaffen. Dabei kam es nie auf das Alter oder das Geschlecht sondern einzig auf die Qualifikation an. Heute besteht die CeGaT GmbH aus einem hochkompetenten, interdisziplinären Team aus Ärzt*innen, Naturwissenschaftler*innen, Bioinformatiker*innen und technischen Assistent*innen.

2010 hat das Unternehmen so genannte „Diagnostik-Panels“ entwickelt, mit Hilfe derer es erstmals möglich war, sämtliche für eine Krankheit in Betracht kommenden Gene gleichzeitig zu entschlüsseln und auf bestimmte Krankheitsbilder hin zu untersuchen. Dies schlägt sich in einer enormen Zeitersparnis für Patient*innen und einer großen Kostenersparnis im Gesundheitswesen nieder.

Für diese Leistung wurde die CeGaT mit dem deutschen Gründerpreis als bestes Start-Up Unternehmen 2011 ausgezeichnet und 2013 zum „Entrepreneur des Jahres“ gewählt.

Bei vielen in unserer Gesellschaft häufig auftretenden Erkrankungen wie Tumorerkrankungen oder Herz- und Gefäßerkrankungen, spielen genetische Risikofaktoren eine wichtige Rolle. Zum einen können Umweltfaktoren wie Lebensstil, Ernährung und Bewegung einen Einfluss darauf haben, ob eine genetisch bedingte Erkrankung ausbricht. Zum anderen besteht die Möglichkeit, an intensiven Früherkennungsprogrammen teilzunehmen und daraufhin rechtzeitig mit einer geeigneten Behandlung zu beginnen. Die Kenntnis der genetischen Risikofaktoren ermöglicht es, den Ausbruch einer Krankheit zu verhindern bzw. zu verzögern oder den Verlauf abzumildern.

Mit dem CeGaT-Vorsorgepanel werden genetische Risikofaktoren für verschiedene Krankheitsbilder mit Hilfe von neuester Sequenziertechnologie frühzeitig festgestellt. Das Vorsorgepanel ist in verschiedene Module aufgeteilt, eines davon – das Pharmakogenetik-Modul – befasst sich z.B. mit genetischen Veränderungen, die die Wirkung von Arzneimitteln beeinflussen. Genetisch bedingte Veränderungen in Proteinen können einen enormen Einfluss auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Vielzahl von Arzneimitteln haben. Mit diesem Modul werden Gene analysiert, die am Stoffwechsel von Arzneimitteln beteiligt sind. Werden bestimmte Genvarianten diagnostiziert, kann der behandelnde Arzt die jeweilige Therapie individuell anpassen und somit können gravierende Nebenwirkungen sowie auch ein Versagen der Therapie vermieden werden.
Bedauerlicherweise – so Frau Biskup – wird diese Diagnoseform im deutschen Gesundheitswesen noch ignoriert, und daher besteht sowohl unter Patient*innen als auch in der Ärzteschaft weitgehend Unwissen oder Fehlinformationen.

„Meine Vision ist, dass jede Person ganzheitlich in ihrer Individualität gesehen wird. Um jeden Patienten optimal behandeln zu können, ist das Wissen um seine genetischen Veränderungen unbedingt notwendig. (..)“, so Saskia Biskup.

Diesem „einfachen“ Fazit konnten wir uns nach ausgiebigem Fragen stellen überzeugt anschließen. Nach Vortrag und Diskussion führte Frau Biskup noch durch die vielen freundlichen und hellen Räume, in denen ca. 70%  Frauen tätig sind, da die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine zentrale Rolle bei der CeGaT spielt. Es gibt  verschiedene Arbeitszeitmodelle und es werden Frauen in MINT-Berufen gefördet – so sind beispielsweise Frauen in Führungspositionen vertreten und die Mehrzahl der Mitarbeiterinnen sind promovierte Naturwissenschaftlerinnen aus den Fachbereichen Biologie, Biochemie oder Bioinformatik.

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