2016 Besichtigung R. Bayer Beton- und Terrazzogruppe

Am Freitag den 13. Mai 2016 lud das Unternehmerinnen Netzwerk zu einer Besichtigung des Unternehmens R. Bayer Betonsteinwerk GmbH nach Blaubeuren ein. Die Geschäftsführerin Ute Bayer hatte zu warmer und robuster Kleidung geraten, da es auf der rauhen Alb immer einen Kittel kälter ist.

Frau Bayer empfing die elf Besucherinnen vor ihrer Manufaktur und wir folgten ihr durch einen wilden, großen, bunt und vielfältig bepflanzten Garten mit Hühnern in ihre Werkstatt, wo sie uns zunächst bei Kaffee und Kuchen allerlei Geschichten aus ihrer ca. 40-jährigen Arbeit in der Betonbranche erzählte.

Mit der Herstellung von Betonmauersteinen und Betondachsteinen wurde 1911 der Grundstein des heutigen Unternehmens gelegt. Seit 1972 wird die Firma in der dritten Generation von Richard Bayer geführt. Seit 1977 kümmert sich die Architektin Ute Bayer um Verkauf, Planung, Ausführung, Bauleitung, Beratung und experimentiert mit Materialien. Hergestellt werden in Blaubeuren, Zwickau und Berlin Treppen aller Art, Sonderteile, Fassaden, Eingangsbereiche, Bodenplatten, Steinkunst- und Terrazzoböden. Heute arbeiten ca. 90 Mitarbeiter im Unternehmen, neben Ute und Richard Bayer auch die Tochter und der Sohn.

Staunend erfuhren wir, welch große Projekte in ganz Deutschland – Banken, Museen, Bahnhöfe, der Berliner Reichstag, Bürogebäude, Schulen, Krankenhäuser etc. und ebenso Bauwerke in der Schweiz, Österreich und Luxemburg mit Terrazzoböden, Treppen und Fassaden die Firma R. Bayer ausstattet. Und auch, mit welchen Widrigkeiten – z.B. bürokratischen innerhalb der EU – man dadurch zu tun hat.

"Das Bild vom grauen und deshalb grausigen Beton, das sich vor allem durch die Architektur der sechziger und siebziger Jahre in den Köpfen festgesetzt hat, gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Der Betonwerkstein ist nicht nur im technischen Sinne ein Kunststein, die Betonung sollte heute wirklich auf "Kunst" liegen. Das gestalterische Potenzial, das sich aus dem schlichten Beton durch Farbmischungen und Zuschläge zu neuen Kreationen entwickeln lässt, ist schier unerschöpflich – man muss sich nur auf neue Experimente einlassen, die Phantasie walten lassen, Ideen entfalten, auch verrückte Einfälle zulassen, sie erproben und sie zu neuen Betonstrukturen und -produkten ausarbeiten" so Ute Bayer über die "Herausforderung Betonwerkstein".

Nachdem wir aufmerksam den lebhaften Schilderungen gelauscht hatten, ging es endlich in die Manufaktur, Deutschlands erster – so Frau Bayer – "Kreativ-Werkstatt Beton". In über fünfhundert blauen Schüttboxen lagern auf zwei Etagen alle nur erdenklichen Ingredienzien, über 250 verschiedene "Zuschlagstoffe", die hier ihrer einfallsreichen Verwendung harren. Da gibt es Natursteine in den verschiedensten Körnungen und in allen Farbschattierungen, gröberen Schotter, bunt schillernde, winzige Glasstückchen, Sandmischungen aller Art, aber auch Recyclingzutaten wie Metallschrott. Hinzu kommen mit Farbpigmenten gefüllte Glasröhren, die den Beton zum Leuchten bringen können.
In dieses „Betonlabor“ lädt Frau Bayer zu Workshops für Interessierte aus den verschiedensten Bereichen wie Architektur- und Designstudenten oder Schreinermeister. Inspiriert durch die Fülle an Zutaten und die spürbare Begeisterung der Chefin, wurde auch in uns die Neugierde auf den Werkstoff Beton dermaßen geweckt, dass wir am liebsten sofort einen solchen Workshop belegt hätten.

Nach den inspirierenden, experimentellen Eindrücken in der Manufaktur ging es weiter ins 30 km entfernte Betonwerk, in dem die „großen, schweren Teile“ wie Treppen, Maschinensockel und Fertigteile aller Art hergestellt werden. Dort erhielten wir einen Eindruck von der Produktion einschließlich des vorausgehenden Formenbaus.

Nach dieser Betriebsbesichtigung und vor allem durch die Begegnung mit Ute Bayer, waren sich die Besucherinnen einig darin, dass der Werkstoff Beton unsere Erwartungen weit übertraf.

www.betonwerkstein.de

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