2015 Workshop Beziehungen

Am Donnerstagabend kamen 14 erwartungsvolle Frauen in der Werkstatt von Monika Majer in Holzmaden zusammen. Es herrschte eine zwar freudige, aber auch verunsicherte Spannung, da keine wusste, was sie erwartet und der Gedanke, etwas „künstlerisch-kreatives“ können zu müssen, setzte so manche Teilnehmerin unter Druck.

Monika Majer lud uns ein, als „Forscherinnen“ an das „Beziehungsprojekt“ heran zu gehen und bat uns zunächst, in wenigen Worten eine heute erlebte Beziehung zu schildern. Dabei wurde z.B. eine Begegnung mit einer Wespe, einer Mücke, einem ohnmächtigen Hausmeister und von etlichen anderen Begegnungen erzählt, danach sollte jede einen Begriff und eine Frage auf einen Zettel schreiben, der dann an die Wand gepinnt wurde.

Nach dieser „Einstiegsübung“ begaben wir uns an einen langen Tisch, auf dem mehrere, unter Tüchern verborgene, Objekte standen. Paarweise gegenüber stehend sollten wir uns schweigend verständigen, wer von beiden das Tuch entfernt, um dann gemeinsam das darunter verborgene „Etwas“ zu ertasten, allerdings ohne dabei auf den Tisch zu schauen. In ständigem Blickkontakt zum Gegenüber begannen wir, weiterhin schweigend, dass Objekt auf der jeweils eigenen Seite zu befühlen und bearbeiten. Die meisten identifizierten das Objekt als feuchten, weichen Tonklumpen, wobei später eine Frau meinte: „Sowas hab ich noch nie berührt …“ So wurde schweigend gearbeitet, und unter den wenigen Ansagen von Frau Majer war nur ab und zu ein kurzes, leises, zuweilen auch prustendes Lachen zu hören. Nach einer Weile wechselten wir die Seiten, ohne unser Objekt zu betrachten und man fand sich plötzlich mit völlig anderen, fremden, „Tonklumpenbedingungen“ konfrontiert, auf die – wie auch immer – reagiert werden sollte. War die eigene Oberfläche des Tones ganz glatt gestrichen, hatte man es nun mit tiefen Löchern zu tun … wie reagieren? Verändern? So belassen? Im anschließenden Gespräch kam eine große Bandbreite an Wahrnehmungen zur Sprache, und die Objekte hätten unterschiedlicher nicht sein können. Der anhaltende Blickkontakt fiel manchen schwer, anderen gar nicht, eine Herausforderung für alle war die Frage, was man mit der vorgefundenen Form der Partnerin macht, oder auch, ob man über die Mitte des Objekts hinweg die Nähe der anderen bis hin zur Berührung wagt – oder lieber nicht?

Nach diesem ersten Beziehungsprojekt notierte wieder jede einen Begriff und dann begaben wir uns in einen anderen Raum zu einer „Gruppenforschungsarbeit“. Auf einem Tisch lag eine große, weiße Leinwand mit 15 Schnüren versehen. Auf dem Tisch verteilt standen kleine, mit Farbe gefüllte Behälter. Jede nahm eine Schnur in die Hand, worauf die Leinwand über dem Tisch schwebte. Wiederum schweigend konnte, wer wollte, die Farbe ergreifen und diese auf die Leinwand leeren, träufeln, spritzen. Dann wurde die Leinwand durch Zug an den Schnüren in unterschiedliche Schräglagen gekippt, um die zähen Farbschlieren in Bewegung zu bringen. Alle Frauen waren – wie sich im späteren Gespräch zeigte – konzentriert und gespannt, aber auch mit ganz verschiedenen Ambitionen bei der Sache. Während die eine gar keine Lust verspürte, Farbe in die Hand zu nehmen, hätte eine andere am liebsten allein über die Farbe bestimmt. Eine dritte war erleichtert über die Absichtslosigkeit des Bildes, eine vierte – im richtigen Leben eher die „kopfgesteuerte Zahlenfrau“ – hatte große Freude daran, so einfach etwas kreatives zustande zu bringen. Jedenfalls waren alle Teilnehmerinnen zufrieden mit dem gemeinsam gestalteten Werk.

Auch danach wurde nochmals ein Begriff notiert und an die schon recht volle Wand gepinnt. Beim abschließenden Betrachten der Begriffe und der in der Mitte liegenden Leinwand konnte jede Teilnehmerin noch einmal resümieren, ob auf die anfänglich notierte „Beziehungsfrage“ eine Antwort oder eine Spur zum weiter forschen gefunden wurde.

Am Ende des Abends herrschte große Übereinstimmung darüber, mit wie viel Feinsinn man mit Hilfe von kreativen Prozessen „in Beziehung treten“ oder das eigenen Verhalten in einer Gruppe erfahren kann. Und das es ein lohnenswertes Experiment war, uns auf diese – einmal ganz andere Weise – zu begegnen. jf

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