2014 Unternehmensstrategien mit sozialer und ökologischer Verantwortung

Der Grund für das genussvolle Schmatzen, das am Donnerstagabend aus dem Gewölbekeller der Volksbank Kirchheim drang, waren drei Nudelsalate und eine große Zahl Starker Frauen (unterstützt von ein paar wenigen mutigen Männern), die Teil eines spannenden, kulinarisch-informativen Abends waren. Zusammengekommen waren sie anlässlich des 10. Frauenwirtschaftstages, und zwar nicht nur um sich an den „ Besten von Alb Gold“ zu verköstigen, sondern vor allem um die Geschäftsführerin der Firma Alb Gold Teigwaren GmbH in Trochtelfingen zu hören, die einen sehr persönlichen Einblick in die Firmenstruktur gab.

Das Frauen in der Wirtschaft tätig sind, ist – wie Oberbürgermeistern Frau Matt-Heidecker bei ihrem Begrüßungswort verkündete – etwas Selbstverständliches. Trotzdem könne „ noch mehr gehen“, setzte die Vorstandvorsitzende des Unternehmerinnennetzwerkes Irmela Gaber hinzu. Der Frauenwirtschaftstag stand dieses Jahr unter dem Motto „Geschäftserfolg mit sozialer und ökologischer Verantwortung“, ein Thema das neben den zahlreichen Anwesenden auch die Volksbank als Sponsor angezogen hatte. Denn auch sie möchte sich von den Themen Nachhaltigkeit, Qualität und Transparenz inspirieren lassen.

Die diesjährige Referentin Irmgard Freidler erfüllte dieses wertvolle Anliegen auf unterhaltsame Weise. Sie nahm alle Anwesenden mit auf eine spannende Reise durch die Firmenhistorie, angefangen bei den ungarischen Wurzeln des Schwiegervaters, die ausschlaggebend dafür waren waren, dass „Hühner schon immer eine große Rolle spielten“, dann die erste „Baracke“ in Trochtelfingen 1968, die sich alsbald in einen mittelgroßen Geflügelhof verwandelte, sodass eine Art Eiermobil die Region mit Alb-Gold-Eiern versorgte, 1977 dann der Umbau zum Teigwarenbetrieb (Frau Freidler übersetzte hier für die Einheimischen: Spätzle- und Nudelfabrik), der Wegzug der letzten Hühner 1995 um Platz für weitere Baumaßnahmen zu schaffen, die Übernahme zweier anderer Teigwarenbetriebe bis hin zu dem hochmodernen Unternehmen, das es heute ist. Frau Freidler erinnerte hierzu: „eigentlich wurde immer gebaut“. Stolz zählte sie anschließend einige Nudelsorten mit originellsten Namen auf, erhältlich in ein paar Dutzend verschiedenen Packungsgrößen. Der Bericht über die zahlreichen Events die Alb-Gold veranstaltet, von Kulinaristik bis hin zu Sport und Kultur, letztendlich die Entwicklung der riesigen Nudelwelt zu einem „touristischen Leuchtturm“, sorgten allgemein für Bewunderung.

Doch durfte das Publikum nicht nur teilhaben an der Erfolgsgeschichte des heute zweitgrößten Teigwarenherstellers – Frau Freidler erzählte in gleichem Maße aufrichtig von Schwierigkeiten und Stolpersteinen, von Spott und Häme, die das Unternehmen anfänglich in Kauf nehmen musste – was ohne die unternehmerischen Visionen und Raffinessen ihres Mannes, dem damaligen Geschäftsführer, wohl nicht zu bewältigen gewesen wäre. Still wurde es im Publikum, als das Bild ihres Mannes auf der Leinwand erschien, der vor einigen Jahren an einem Herzanfall plötzlich verstorben war. Frau Freidler stand, so erzählte sie ernsthaft, vor der unausweichlichen Entscheidung: Aufhören oder weitermachen, was verständlicherweise große Ängste und Unsicherheiten in ihr hervorrief. Mit den beiden Söhnen an ihrer Seite entschied sie sich fürs Weitermachen und damit für die bewusste Fortführung eines (Familien-)Lebenswerkes. Nach dem Kassiopeia-Prinzip begann sie diesen Weg entschlossen zu gehen, Schritt für Schritt, geleitet vom Bauchgefühl. Ein neuer Führungsstil sollte die Firma nun begleiten, auf den Dialog ausgerichtet, ihrem Temperament entsprechend. An dieser Stelle betonte Frau Freidler die Wichtigkeit von Individualität und Authentizität.

Trotz aller seitherigen Erfolgsgeschichten, sprach sie auch über Sorgen und Herausforderungen, denen das Unternehmen immer wieder ausgesetzt ist. Zustimmendes Nicken im Publikum zeigte an dieser Stelle, dass ein Unbehagen gegenüber Themen wie demographischer Wandel, Abwanderung junger Arbeitskräfte, verlorene Glaubwürdigkeit in die Lebensmittelindustrie und vor allem das Konkurrieren um Rohstoffe von vielen Anwesenden geteilt wird. Beeindruckend war für das Publikum zu hören, auf welch kreative, intelligente und dennoch stets soziale und nachhaltige Art und Weise das Unternehmen bemüht ist, auf diese Entwicklungen zu reagieren. Der Schlüssel zum Erfolg, so Freidler, liege bei einem „tugendhaften“ Umgang mit den Mitarbeitern (von denen übrigens 95% weiblich sind).

Am Ende dieses informativen und trotzdem aus dem Leben gegriffenen Vortrages, bei dem die persönliche Komponente entschieden vor der expliziten Aufbereitung unternehmerischer Details zu den Themen Nachhaltigkeit, Qualität und Transparenz stand, war das Publikum spürbar bereichert und ging zu dem besagten schmatzenden Teil über, ein durchaus lohnenswerter Schritt.

Als Dankeschön erhielt die schwäbische Geschäftsfrau nicht nur ein Paket fair gehandelten Kirchheimer Kaffees, sondern auch noch einen Regenschirm mit der Stadtsilhouette von Kirchheim unter Teck.

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