2014 Dialog mit Dekanin Kath

Zu diesem offenen Netzwerkabend hatte das Unternehmerinnen-Netzwerk „frauen-unternehmen. e.V.“ Dekanin Renate Kath eingeladen, um mit ihr – orientiert am Jahresthema der Unternehmerinnen „WERTE“   – die Frage zu diskutieren, wie es um Werte in unserer Gesellschaft bestellt ist.

Nachdem Frau Kath uns ein wenig Biografisches und einiges aus ihrem Arbeitsalltags schilderte, stiegen wir nahtlos in einen lebhaften Austausch über das Vorhandensein von Werten, bzw. vielmehr über die Abwesenheit derselbigen ein. Es bestand größtenteils Konsens darüber, dass die Werte sich verändert haben, es kaum mehr Anstand gibt, oftmals die Dreistigkeit im Vordergrund steht, Eigenschaften wie Höflichkeit und Respekt oftmals fehlen und der Egoismus nach dem Motto „Hauptsache mir geht es gut“ maßlose Blüten treibt. Anhand von vielen Beispielen wurden diese Tendenzen in unserer Gesellschaft immer wieder untermauert und festgestellt, dass in einer Gesellschaft, in der „Geiz geil“ ist und wir überall von Werbung umgeben sind, Materialismus und Konsumismus zu einer Art Ersatzreligion geworden sind, die Kinder kaum noch Werte vorgelebt bekommen und das „Denken in größeren Zusammenhängen“ zu wünschen übrig lässt. Schließlich drängten sich viele Fragen nach dem „Warum“ auf: Haben sich die Werte tatsächlich so sehr verändert und wenn ja – warum? Ist dies eine Folge des „Laissez-faire“ der 68-er und einem daraus resultierenden Liberalismus? Spielt die Kirche, bzw. die Religion als moralische Instanz in der Gesellschaft keine tragende Rolle mehr? Ist eine Gott-lose Gesellschaft eine Wert-lose Gesellschaft? Findet der Selbstoptimierungs- und entfaltungswahn auf Kosten von Mitmenschen statt?

Diese vielen Fragen und die gesuchten Antworten wurden von Frau Kath mit dem Satz „Als Christ bist du immer der/die Dumme“ in eine anregende und optimistischere Richtung gedacht, nämlich „man könne alle eigenen, wichtigen Werte leben, man müsse dann nur auch aushalten, dass man mit seinen Werten gegen den Strom schwimmt, damit aneckt und sich nicht der Masse anpasst.“ Daraus ergab sich schließlich die Frage, wie man denn zu den eigenen Werten kommt, wo sich diese entwickeln. Zunächst wächst ein Kind in der Ursprungsfamilie, dem „Clan“ auf und passt sich den dort vorherrschenden Werten an, bis es schließlich im Kindergarten zum ersten mal mit fremden Wertemustern konfrontiert wird und vor der großen Herausforderung steht, im Laufe von Kindheit und Jugend eigene Werte für sich zu definieren. Frau Kath schilderte, ihr seien z. B. im Konfirmandenunterricht weniger die zu vermittelnden Inhalte wichtig, als vielmehr die Jugendlichen als Menschen ganz und gar ernst zu nehmen und ihnen die christliche Idee des „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ mit auf den Lebensweg zu geben. Denn diese, der Nächstenliebe geschuldete Idee, sowohl den eigenen, zutiefst menschlichen Schwächen als auch denen der Anderen barmherzig und mitfühlend zu begegnen, sei eine wichtige Grundlage für die Wertebildung. Weiterhin erläuterte Frau Kath recht bildhaft, wie sehr man sich mit den eigenen Wertvorstellungen in einem ständigen Spannungsfeld befindet, indem man gezwungen ist, Kompromisse einzugehen, weil man einfach nicht immer alles richtig machen könne. Trotzdem sei es wichtig, dies immer wieder zu überprüfen und den Mut zu haben, mit „leichter Hand“ in Situationen einzugreifen und sie dadurch zu verändern, vor allem aber, nicht daran festzuhalten, man sei immer im Recht und wisse, was „falsch“ und was „richtig“ sei.

Dekanin Kath brachte den Gedankenaustausch zu Ende, indem sie erzählte, dass sie mit zunehmendem Alter sich sage: „Am Ende gibt es nur ein Urteil über jeden – das göttliche – das wirklich zählt und welches über den Urteilen aller Anderen steht und dies ermöglicht eine große innere Freiheit.“ Und als Dekanin sei es eines ihrer wichtigsten Anliegen, nicht Moral, sondern Barmherzigkeit und Nächstenliebe zu predigen und niemals den Menschen aus dem Blick zu verlieren, der ihr in diesem Moment gegenüber steht.

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