2014 Besuch Anwander und Bracher

Bei hochsommerlichen Temperaturen war das Unternehmerinnen Netzwerk am Donnerstag den 10. Juni 2014 beim Steuerberatungsbüro Anwander & Bracher in Kirchheim zu Gast.

Michaela Bracher, Mitglied im Netzwerk, empfing die 15 Unternehmerinnen herzlich und begann zunächst zu erläutern, wie es 2011 zur Partnerschaftsgesellschaft Anwander & Bracher kam.
Nachdem Frau Bracher einige Zeit in einer größeren Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Stuttgart tätig war, trug sie sich mit dem Gedanken der Selbständigkeit und begegnete zu dieser Zeit dem Steuerberater Daniel Anwander. Im Jahr 2010 kam es zu einer Festanstellung, um sich besser kennen zu lernen, doch bereits im Juli 2011 wurde die Partnerschaftsgesellschaft gegründet. Das Büro beschäftigt 10 Mitarbeiterinnen und bildet auch in verschiedenen Bereichen aus.
Nach dieser kurzen Darstellung des Steuerberatungsbüros erzählte uns Frau Bracher, wie sie im Urlaub beim Lesen einer Illustrierten auf die Idee kam, mit dem Beispiel eines „Promis“ eine Unternehmensbewertung zu erklären. In dieser Illustrierten wurde der Unternehmenswert des neuen Lebensgefährten von Heidi Klum, eines Kunsthändlers, mit mehreren Millionen Euro angegeben und es stellte sich Frau Bracher die Frage, wie die Illustrierte zu dieser Einschätzung kommt. Wie also ermittelt man den Wert eines Unternehmens? Zunächst stellt man den Substanzwert fest – den Wert der "tatsächlich vorhandenen" Gegenstände wie z.B. die Büroausstattung. Danach wird mit Hilfe geeigneter Planrechnungen der Ertragswert, also der erwartetet zukünftige Ertrag des Unternehmens, ermittelt. Doch der eigentliche, ausschlaggebende Wert bei inhabergeführten Unternehmen ist immer der Mensch, der das Unternehmen führt, sein Image, seine Werte, seine Motivation, sein Netzwerk. Bspw. wäre das Unternehmen von Heidi Klums Lebensgefährte ohne ihn als Person um ein vielfaches weniger Wert, da er selbst mit all seinen Fähigkeiten, den eigentlichen Wert verkörpert, der nicht so ohne weiteres auf andere Personen übertragen werden kann.

Warum ist es überhaupt interessant, einen Unternehmenswert zu ermitteln? Entweder um herauszufinden, wie das Unternehmen aufgestellt ist, oder im Rahmen der Unternehmensnachfolge, wenn das Unternehmen bspw. verkauft werden soll. In diesem Fall ist es wichtig, den „Wert“ den der ursprüngliche Unternehmer verkörpert auf den Käufer bestmöglich zu übertragen. Folgendes ist dabei von Bedeutung: Kann der Nachfolger das in langjähriger Arbeit aufgebaute Alleinstellungsmerkmal weiter transportieren? Ist man sich einig bezüglich der Visionen, der Motivation, der grundsätzlichen Ideen? Bleibt der „gute Ruf“ erhalten?

Die Aufgabe einer Steuerberaterin besteht also nicht nur im Prüfen von Zahlen, sie ist vielmehr eine Impulsgeberin ihrer Mandanten, dabei stets bemüht, diese zu motivieren, ihre Unternehmenswerte zu pflegen, oder z.B. rechtzeitig die nötigen Schritte einzuleiten, wann und wie das Unternehmen irgendwann verkauft oder an einen Nachfolger übergeben werden sollte.
Um eine Unternehmensübergabe im Detail für die Zuhörerinnen zu veranschaulichen, zieht Frau Bracher immer wieder die fiktive Übergabe des Friseursalons Gabi Blum – ebenfalls Mitglied im Unternehmerinnen Netzwerk – zu Hilfe. In diesem Fall würde man den Substanzwert – den Kundenstamm, die Kundenstruktur, Mietverträge, Zahlen, Standortfragen und natürlich den Ruf des Salons – genau abfragen, um diesen nicht „unter Wert“ zu verkaufen. Da der Käufer natürlich möglichst wenig bezahlen möchte, sollte die Bewertung so ablaufen, dass beide Seiten am Ende zufrieden sind.
Zur Überraschung der Zuhörerinnen sind Steuerberater also nicht nur trockene „Zahlenprüfer“, sondern erbringen eine Beratungsleistung, die Frau Bracher mit Leidenschaft und Herzblut betreibt. Diese erfordert allerdings ein hohes Maß an psychologischem Fingerspitzengefühl und genau das ist das reizvolle an ihrem Job, obwohl manch verfahrene Mandantensituation bisweilen schlaflose Nächte mit sich bringen. Ein wichtiger Aspekt der Arbeit ist für Frau Bracher, auf ihre Mandaten „aufzupassen“, nachzuhaken, „wie es läuft“, um herauszufinden, wann ein Eingreifen ihrerseits von Nöten ist, damit das jeweilige Unternehmen gut geführt wird und nicht in Schieflage gerät.
Danach kam noch die Frage auf, was passiert, wenn der Mandant Schwarzgeldkonten hat oder Schwarzarbeit betreibt. Im Falle des Verdachts von „krimineller Energie“ seitens eines Mandanten wird das Mandat sofort niedergelegt. Daraufhin erfolgte eine lebhafte Diskussion zu diesem Thema sowie über das Vorgehen bei einer drohenden Insolvenz und den damit verbundenen Aufgaben und Möglichkeiten eines Steuerberatungsbüros. Zum Schluss erwähnte Frau Bracher noch ihre und Herrn Anwanders Leidenschaft für Spanien. Da beide spanisch sprechen, werden inzwischen einige spanische Unternehmen betreut, was zur Zusammenarbeit mit spanischen Steuerberatungsbüros führt und das Portfolio des Büros erweitert.

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