2013 Betriebsbesichtigung Walker-Etiketten

Zum diesjährigen Besuch bei einem Netzwerkmitglied des frauen-unternehmen e.V. hat uns Petra Walker eingeladen. 16 interessierte Unternehmerinnen wurden von Petra und Joachim Walker empfangen und durch das Unternehmen geführt.

Zunächst erläuterte Petra Walker kurz die Firmengeschichte: Eröffnung des Betriebes durch den Vater von Ehemann Joachim Walker, dem Buchdrucker Erwin Walker im Juli 1946.  Papier war zu dieser Zeit kontingentiert und der Bedarf an Drucksachen noch spärlich. Bereits in den fünfziger Jahren jedoch entwickelte Erwin Walker spezielle Verfahren zur Herstellung nummerierter Drucksachen und auch im Bereich selbstklebender Papiere gehörte der Betrieb zu den Pionieren. Die Anforderung von der Post, sogenannte Selbstbucherpaketadressen im Endlosdruck auf  großen Rollen zu produzieren, war dann der Einstieg in die Etikettenwelt.

Als 1984 der Sohn – Joachim Walker – ins Unternehmen kam, erkannte dieser, dass der Etikettendruck der interessantere Aspekt des Druckgeschäftes war und trieb die Spezialisierung darauf  voran. 1987 bekam er Unterstützung durch seine Frau Petra Walker, studierte Betriebswirtin, und zu diesem Zeitpunkt wurde der Buch- und Offsetdruck über Bord geworfen, um ganz auf den Etikettendruck umzusteigen. 1992 erfolgte der Umzug in die jetzige Immobilie, wo entsprechend große bzw. lange Maschinen aufgestellt werden konnten, und seitdem vertieft sich das Unternehmen mit den ca. 22 bis 25 Mitarbeitern immer mehr in die Welt der vielfältigen, teils schwierigen und komplizierten Herstellung von Etiketten, mit dem Schwerpunkt, sich auf Nischenprodukte zu konzentrieren. Diese „Nischenkonzentration“ bedeutet für die Mitarbeiter, sich in einem ständigen Lernprozess zu befinden. Da jedes Produkt andere Anforderungen stellt, ist jeder Auftrag neu, jedes Jahr ist anders, die Herausforderungen sind vielfältig. Eine dieser Herausforderungen besteht darin, dass jedes einzelne Etikett zum Hersteller zurückverfolgt werden können muss. Wenn ein Etikett z.B. auf Lebensmitteln angebracht wird, und in dem Haftpapier des Etiketts befindet sich eine Komponente, die giftig ist, muss aus Haftungsgründen eine Rückverfolgung gewährleistet sein. Das erfordert eine aufwendige Protokollierung und Dokumentation und die Mitarbeiter müssen sich streng an Abläufe halten. Ein ausgeklügeltes und vor allem gelebtes QM-System sorgt für die Einhaltung dieser Abläufe, denn – im Gegensatz zu "normalen" Druckereien – gibt es umfangreiche gesetzliche und technische Anforderungen an den Etikettendruck. Daher liegt das eigentliche Know-how nicht im Drucken von „nur“ schönen Etiketten, sondern im Funktionieren des Hochleistungsspendeprozesses, denn ein Etikett darf sich nicht ablösen, muss gut über Kanten gleiten, muss richtig und genau appliziert werden. Das erfordert eine enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber, da jeder Kunde eine eigene Spendeanlage hat, deren technische Abläufe berücksichtigt werden müssen. Dieses gemeinsame entwickeln mit Hilfe von Testphasen, Probeläufen und zahlreichen Absprachen, ermöglicht den Mitarbeitern der Firma Walker Etiketten einen tiefen und spannenden Einblick in unterschiedlichste Branchen wie Automobil, Wein, Chemie, Kosmetik, Food sowie in zahlreiche interessante Bio-Produkte. Besonders diese Bio-Produkte bereiten Frau Walker und den Mitarbeitern viel Freude, da das Herzblut dieser Kunden in ihre Produkte mit begeistert.

Nach dieser Einführung wurden wir – in 2 Gruppen aufgeteilt – durch Büroräume und Fertigung geführt. Dort erfuhren bzw. sahen wir „live“ die aufwändige Dokumentation und Archivierung der gesamten Abläufe der rund 3000 Einzelanfertigungen pro Jahr. Der Fertigungsprozess veranschaulichte die besonderen Herausforderungen einzelner Produkte und deren Etikettierung aufgrund von sich ständig ändernden gesetzlichen Vorschriften, unterschiedlichen Materialien, Formen, drucktechnischen Möglichkeiten und verwendeten Chemikalien. Da der ökologische Aspekt ein großes Anliegen des Unternehmens ist, werden die Druckmaschinen, die sehr viel Energie benötigen, mit 100% erneuerbarer Energie aus Wasserkraft betrieben.

Die Besucherinnen hatten somit einen ausführlichen Einblick in die erstaunliche Welt der Etikettenherstellung und werden vermutlich die eine oder andere Shampooflasche, Getränkedose oder Käseschachtel nun mit anderen Augen betrachten. jf

http://www.walker-etiketten.de/

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