2012 Verschieden anders?

„Wir sind verschieden in der Kommunikation und gleich im Verschieden sein.“ – so eröffnete die Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Anja Ebert-Steinhübel ihren Vortrag im Nebenzimmer des Teckkellers in Kirchheim.

Wie kommunizieren wir? Der erste Eindruck wird zu 90 Prozent nonverbal durch Mimik, Gestik und den Klang der Stimme erzeugt - nur sieben Prozent des Eindrucks kommt durch Wörter zustande. Und unser Gehirn konstruiert jeweils seine eigene Wirklichkeit, abhängig vom individuell Erlebten, den Erinnerungsmerkmalen, die es gespeichert hat und der eigenen spezifischen Gewichtung unserer beiden Gehirnhälften.

Unsere Gehirnhälften sind verschieden und es gibt zahlreiche Definitionen für die Unterschiedlichkeit: die rechte stünde für weitläufig, offen, emotional, wachsam – die linke für fein, fokussiert, kontrolliert und ‚auf Details bedacht‘. Anderswo ist zu lesen, dass wir in der rechten Gehirnhälfte Musikalität, Träumerei, Kreativität und ‚an Gesichter erinnernd‘ finden – und in der linken Gehirnhälfte Logik, Sprache, Analytik, ‚an Namen erinnernd‘ und Ordnen angesiedelt sind.

Wenn das Gegenüber ähnlich „tickt“, dann liegt es an der größeren Schnittmenge zwischen den beiden Personen. Wenn nicht, dann gilt: je besser wir wissen, wie der Gesprächspartner „tickt“, desto genauer können wir ihm deutlich machen, was wir im Einzelnen meinen. Der Kommunikationserfolg liegt also in der Schnittmenge, lernen die Zuhörenden.

Wie jedoch finden wir heraus, wie wir „ticken“ und welche Denkweise wir haben? Anja Ebert-Steinhübel stellt den Netzwerkerinnen eine Methode vor, die der Amerikaner Ned Herrmann in den 70er Jahren entwickelte, um die unterschiedlichen Denk- und Verhaltensweisen der Menschen sichtbar und vergleichbar zu machen. Das Herrmann-Dominanz-Modell (HBDI).

Seine Theorie besagt, dass jeder Mensch unterschiedliche Schwerpunkte in seinem Denken und damit seinem Handeln hat. Herrmann teilt in seinem Modell die Denkweisen in vier Kategorien ein. A = blau / B = grün / C = rot / D = gelb. A und B ordnet er dem linken Modus zu, C und D dem rechten.

Daraus bildet Herrmann die ‚vier unterschiedlichen Ichs‘: A = das rationale Ich (logisch) / B = das Organisatorische Ich (strukturiert) / C = das fühlende Ich (mitfühlend) sowie D = das experimentelle Ich (intuitiv).

Jeder von uns trägt alle vier Kategorien in sich – was uns unterscheidet, ist die jeweilige Gewichtung sowie die unterschiedlich starke Ausprägung der Kategorien. Aus den vier ‚Ichs‘ ergeben sich unendlich viele Kombinationen.

Wenn wir beginnen, unsere Mitmenschen aufmerksam zu beobachten, so lernen wir mit der Zeit die unterschiedlichen ‚Ichs‘ und Kombinationen zu erkennen und zuzuordnen. Es wird uns leichter fallen, die Denkweise des Gesprächspartners nachzuvollziehen und wir werden plötzlich Mittel und Wege entwickeln, dem Gegenüber unser Anliegen für seine Betrachtungsweise verständlich zu machen.

Nach Abschluss des Vortrages entstand eine lebhafte Diskussion über die Frage, wo und wie diese Erkenntnisse im täglichen Miteinander eingesetzt werden könnten. Frau Ebert-Steinhübel machte deutlich, welche entscheidende Rolle dieses Instrument bei der Personalauswahl in Unternehmen spielt. Für eine Fachgruppe ist es manchmal notwendig, dass die Gruppe homogen ist - zum Beispiel alle Teilnehmer einen hohen Blau-Anteil in ihrer Denkweise haben, um fokussiert eine Lösung zu finden.

Ein kleines Unternehmen oder die Abteilungsleitung in einer Firma wird vielmehr darauf achten, dass im Mitarbeiter-Team alle vier Farbenschwerpunkte zu finden sind. So besteht die Möglichkeit, jederzeit auf die Stärken aller vier Farben zuzugreifen und für die jeweilige Aufgabe die entsprechende Person auszuwählen.

Eine verschiedenartige Gruppe kann ausgleichend wirken, Aufgaben und Themen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten und sich gegenseitig mit unterschiedlichen Sichtweisen Feedback geben.

Auch im Privatleben wird es uns künftig unterstützen, wenn wir die Schnittmenge zwischen uns und unseren Mitmenschen vergrößern.

Das UnternehmerinnenNetzwerk dankt Frau Dr. Ebert-Steinhübel herzlich für den spannenden Vortrag. bm

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