2011 Besichtigung Wasserwerk Langenau



Der von Angelika Matt-Heidecker, Oberbürgermeisterin und Mitglied des frauen-unternehmen e.V. Kirchheim unter Teck, angeregte Besuch bei der Landeswasserversorgung stieß beim UnternehmnerinnenNetzwerk auf großes Interesse. Treffpunkt war das Wasserwerk in Langenau, in dem sich die Netzwerkerinnen über Herkunft und Aufbereitung des Trinkwassers informierten, das die Bevölkerung rund um Kirchheim unter Teck täglich aus dem Wasserhahn bezieht.

Die Landeswasserversorgung gehört zu den traditionsreichen Fernwasserversorgungen in Deutschland. 1912 gegründet, versorgt sie heute aus dem Wasserwerk Langenau und dem Egauwasserwerk Dischingen rund drei Millionen Einwohner im Land, darunter auch die Stadt Kirchheim unter Teck mit ihren angrenzenden Gemeinden.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts war klar, daß der Trinkwasserbedarf im Mittleren Neckarraum aus ortsnahen Wasservorkommen nicht mehr gedeckt werden konnte. Schon zu jener Zeit entstand der Plan, die Wasserversorgung von Stuttgart und der benachbarten Städte und Gemeinden aus dem Grundwasserleiter im Donauried bei Langenau zu decken. Am 20. Dezember 1909 lag der Plan für den Bau einer Fernwasserleitung vom wasserreichen Donauried in den Mittleren Neckarraum auf dem Tisch des württembergischen Staatsministeriums.

Seit 1955, also fast 40 Jahre lang, wurde die Stadt Kirchheim unter Teck größtenteils vom „Zweckverband Blau-Lauter-Gruppe“ über den Kirchheimer Ring mit Trinkwasser versorgt. Am 1. Januar 1994 fusionierte die Gruppe mit der Landeswasserversorgung. Seit dieser Zeit beliefert die LW über das Leitungsnetz der ehemaligen Blau-Lauter-Gruppe Kirchheim und das gesamte Verbandsgebiet der BLG mit Trinkwasser und nach Inbetriebnahme der neuen Zubringerleitung „Laichinger Alb“ im Jahre 2008 mit weichem Trinkwasser aus dem Wasserwerk Langenau.

Bei der Begrüßung der Gruppe durch Frau Dr. Beatrix Wandelt-Roth, Öffentlichkeitsarbeit, und dem stellvertretenden technischen Geschäftsführer der LW, Herrn Gerhard Drescher, erhielt die Gruppe erste Informationen zum Wasserwerk. Auf dem anschließenden Rundgang über das Gelände erfuhren die Unternehmerinnen, wie Wasser aufbereitet wird, damit es als Trinkwasser den Anforderungen aktueller Hygienevorschriften und den Komfortwünschen der Verbraucher entspricht.

Im Wasserwerk Langenau werden Flußwasser der Donau, Grundwasser aus dem Donauried und Tiefbrunnenwasser aus dem Vorpumpwerk Burgberg zur Trinkwasseraufbereitung verwendet. Im Egauwasserwerk wird Quellwasser aus der Buchbrunnenquelle aufbereitet.

In sechs Schritten wird Donauwasser aufbereitet:
In der Vorreinigungsanlage1 wird dem Flußwasser eisenhaltiges Flockungsmittel und Kalk zugeführt. Trüb- und Huminstoffe werden unter Energieeintrag in der sich ständig vergrößernden Flocke eingebunden und als Schlamm abgeschieden.
In der Vorreinigungsanlage 2 verliert das Wasser die restlichen Trübstoffe.
In der Ozonanlage werden Geschmacks- und Geruchsstoffe oxidativ entfernt und das Wasser desinfiziert.
Über Zweischichtfilter mit Hydroanthrazit und Sand werden dann verbliebene Schwebstoffe herausgefiltert.
Gelöste organische Schadstoffe in geringster Konzentration werden in der Aktivkohlefilteranlage entfernt.
Schließlich wird das nun gewonnene Trinkwasser mit Chlordioxid versetzt, um der Gefahr einer Wiederverkeimung auf dem Weg zum Kunden vorzubeugen.

Grundwasser aus dem Donauried und aus den Tiefbrunnen bei Burgberg kann aufgrund seiner guten Qualität direkt als Trinkwasser abgegeben werden. Ist das Grundwasser mineralstoffreichreich, so hat es einen feinen Geschmack. Allerdings hat das Wasser beim Versickern oft viel Kalk aufgenommen und zählt dadurch zum „harten“ Grundwasser. Das Grundwasser lagerte meist sehr lange im Untergrund des verkarsteten Weißen Jura der Schwäbischen Alb und weist eine durchschnittliche Gesamthärte von 22°-25°. Es wird deswegen in der Entcarbonisierungsanlage in Langenau enthärtet. Früher wurde hartes Wasser mit weicherem verschnitten. Mit der Enthärtung des Wassers wurde erst in den 90ger Jahren begonnen. Die Enthärtungsanlage besteht seit 1989 und wurde im Jahre 2005 mit einer Vorentsäuerungsanlage ergänzt. In der Entcarbonisierungsanlage wird im Teilstrom hartes Grundwasser bis auf 6-7°dH enthärtet und anschließend mit dem restlichen naturharten Grundwasser und Donauwasser gemischt. Ab Werksausgang wird Trinkwasser mit einer Gesamthärte von ca. 11,5 – 13,5°dH in der Härtestufe 2 abgegeben.

Das Karstquellwasser der Buchbrunnenquelle hat von Natur aus eine sehr gute Qualität. Auch dieses Quellwasser wird in der Entcarbonisierungsanlage des Egauwasserwerks von 18,5°dH auf 13,5°dH enthärtet. Der bei der Enthärtung anfallende hochreine Calciumcarbonat-Schlamm beider Entcarbonisierungsanlagen wird zum wertvollen Rohstoff für die Papierindustrie.

Das Leitungsnetz der Landeswasserversorgung ist rund 770 km lang und das Trinkwasser benötigt ungefähr einen Tag lang, um von Langenau nach Kirchheim unter Teck zu gelangen. Die drei Hauptleitungen haben Durchmesser von 600 mm bis 1500 mm, die Zubringerleitungen i.M. ca. 600 mm, im Raum Stuttgart bis zu 1.000 mm. Das Leitungsnetz ermöglicht eine maximale Förderung von rund 5.200 Liter pro Sekunde bzw. von ca. 450.000 Kubikmetern pro Tag.

Alleine die Ausstellung „Erlebniswelt Grundwasser“ ist es wert, einen weiteren Besuch in der Landeswasserversorgung zu planen. Hier wird den Besuchern auf vielerlei Art mit Daten, Fakten, Grafiken und Anschauungsmaterialen die Materie Wasser nahegebracht.

Die Netzwerkerinnen danken Frau Dr. Wandelt-Roth und Herrn Drescher für die sehr ausführliche und hoch spannende Führung durch das Wasserwerk in Langenau. bm

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