2010 Schempp-Hirth Flugzeugbau

Vergangene Woche lud das Unternehmerinnen-Netzwerk frauen-unternehmen e.V. wieder zur Betriebsbesichtigung eines von Frauen geführten Unternehmens.

Brigitte Holighaus, die Seniorchefin der Schempp-Hirth Flugzeugbau GmbH, empfing die achtzehn Besucher bei strahlendem Sonnenschein im Hof des Firmensitzes.

1935 hat Martin Schemp die Firma Sportflugzeugbau Göppingen gegründet. 1938 siedelte der Betrieb nach Kirchheim/Teck um und Wolf Hirth kam als Teilhaber in das Unternehmen.

Nach dem ersten Weltkrieg verboten die Versailler Verträge Betrieb und Bau von Motorflugzeugen in Deutschland, was dazu führte, daß in den folgenden Jahren immer mehr Gleitflüge auf der Wasserkuppe durchgeführt wurden. Ab 1920 fanden dort jährlich die Rhönwettbewerbe statt und die „Hängegleiter“ entwickelten sich zu „Segelflugzeugen“ weiter. Das erneute Verbot zwischen 1945 und 1949 förderte die Innovation.
Die Verbindung zwischen dem Unternehmen Schempp-Hirth und der Familie Holighaus ergab sich, als der Firmengründer Martin Schempp in den 60er Jahren nach Darmstadt fuhr, um in der dortigen „Akademischen Fliegergruppe“ einen Studenten zu finden, „der ein Flugzeug für ihn umkonstruieren und verbessern sollte“.
Die Wahl fiel auf den Diplom Ingenieur Klaus Holighaus - und mit ihm vollzog sich ein Technologiewandel im Hause Schempp-Hirth. Wurde bis Anfang der 60er Jahre im Flugzeugbau hauptsächlich Holz und Stoff verwendet, setzte er auf Glasfaser und Kunststoffe. So entstand 1967 das erste Kunststoff-Serienflugzeug „Cirrus“. 1969 übernahm Holighaus auch die Geschäftsleitung. Ende der Siebzigerjahre führte das Unternehmen den Werkstoff Kohlefaser zur Segelflugzeugkonstruktion ein. Ein Technologievorsprung, was die zahlreichen sportlichen Erfolge und vielen Weltrekorde beweisen. Nach seinem frühen Tod übernahm Brigitte Holighaus die Geschäftsführung, die sie heute mit ihrem Sohn Tilo teilt.

Bei der Führung konnten die Besucher mitverfolgen, wie die Segelflugzeuge in Handarbeit hergestellt werden.

Die Hälfte eines Flügels liegt in einer Negativform und wird gerade mit zahlreichen Materialschichten laminiert. Man kann die notwendigen Einbauten erkennen und die Steckverbindungen, mit denen die fertigen Flügelteile später montiert werden. Im Kleinteile-Bau werden fast alle Teile selbst hergestellt. In der Schlosserei entstehen Rumpfgerüste, Motorträger und viele Beschlagsteile. Im Steuerungsausbau wird der Rohbaurumpf mit Steuerungs- und Bedienungseinheiten ausgestattet. Elemente wie Steuerknüppel, Bremsklappen und Wölbklappen-Bedienungshebel werden installiert und auf Funktion überprüft. In der Lackierabteilung geht’s ums Finish an Flügeln, Leitwerk und Rumpf, denn: je glatter die Oberfläche, desto geringer der Luftwiderstand. Deshalb wird selbst die aufgebrachte Schrift überlackiert, damit keine „Stufe“ entsteht. In der Endmontage werden Flügel, Rumpf und Höhenleitwerk zusammengefügt. Nach den letzten Einstellungsarbeiten und Abnahme durch einen Prüfer verlassen die Flugzeuge die Endmontage zum Einfliegen, bevor sie an den Kunden übergeben werden.

Frau Holighaus legt Wert darauf, dass fast alle Facharbeiter im eigenen Betrieb ausgebildet werden. So entwickeln die Auszubildenden das nötige Fingerspitzengefühl für ihre Arbeit und sind von Beginn an in ihre verantwortungsvolle Tätigkeit eingebunden.

Brigitte Holighaus hatte ihren Mann immer schon beim Segelfliegen begleitet. „Es war die angenehmere und interessantere Lösung, als zuhause auf ihn zu warten“. Und irgendwann wurde sie dann selbst zur begeisterten Fliegerin.

Das Unternehmerinnen-Netzwerk dankt Frau Holighaus, dem Chefassistenten Bernd Weber und der Belegschaft herzlich für den überaus informativen Nachmittag, den sie den Besuchern bereitet haben. bm

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