2009 Betriebsbesichtigung Strassacker

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Besichtigung von frauengeführten Unternehmen“ hatte das Unternehmerinnen-Netzwerk Kirchheim/Teck zur Kunstgießerei Strassacker nach Süßen geladen. 1919 von Ernst Strassacker gründet wird sie heute von Edith Strassacker als verantwortlicher Geschäftsführerin in der vierten Generation geleitet.

Die Kunstgießerei Strassacker ist ein Handwerksbetrieb, kein Industriebetrieb. Das bedeutet sehr viel Handarbeit und somit ca. 55% Personalkosten. Die drei wichtigen Umsatzträger sind: Steinmetze und der sakrale Bereich, Auftragsarbeiten freischaffender Künstler und die Kunst in der Architektur.

Für den Kunstguß wird Bronze, eine Legierung aus 85% Kupfer und 15% Zinn, erhitzt bis sie flüssig ist und funkensprühend bei 1250° in die Form gegossen werden kann. Das Material rostet nicht und kann unterschiedlich patiniert werden. So wird etwa der jährlich verliehene Medienpreis „Bambi“ hier aus Bronze gegossen und anschließend in Pforzheim vergoldet.

In Süßen werden Alu-Kunstwerke für den weltbekannten Künstler Jeff Koons hergestellt. Auch ein Abdruck von Uwe Seelers Fuß in Originalgröße wurde hier maßstabgetreu vergrößert, in Bronze gegossen und schließlich mit einem Tieflader an seinen Standort Hamburg transportiert.

Strassacker unterstützt die Künstler, die im Betrieb in Süßen ihre Werke gießen, ganz direkt: spendiert etwa Feuerholz für den Atelierofen, eine Tankfüllung fürs Auto oder verkauft die Kunstobjekte in Kommission. Auch nach Fertigstellung seines Werkes wird der Künstler auf Ausstellungen und bei Verkaufsgesprächen weiter betreut.

Gerade befindet sich eine Sonderausstellung des Künstlers Michel Favre in der Galerie von Strassacker. Der Künstler Woytek logiert zur Zeit bei Strassacker in einem eigens für Künstler und Besucher zur Verfügung stehenden Gästehaus auf dem Strassacker–Gelände. Er übernimmt die Retusche an einem Wachsrohling selbst und begleitet alle weiteren Entstehungsschritte seines Kunstwerkes. Es benötigt 20 verschiedene Arbeitsgänge, bis aus dem Ur-Modell ein fertiges Kunstwerk aus Bronze entsteht.

Beim Rundgang durch die Werkshallen unter der Führung des Verkaufsleiters Herrn Kobza konnten die Teilnehmerinnen die einzelnen Arbeitsschritte vom Erstellen einer flexiblen Negativform der Originalfigur bis hin zur fertigen Bronzefigur mitverfolgen.

Einen erfrischenden Ausgleich zu den oft heißen Arbeitsplätzen in der Gießerei und den Ziselier- und Patinierwerkstätten bietet der sehr harmonisch in die Umgebung eingepaßte Skulpturengarten: hier stehen Figuren und kunsthandwerkliche Arbeiten zwischen Birken und Wasserläufen im hügeligen Grün aufgereiht, für Besucher und Mitarbeiter ganzjährig zugänglich.

Das Netzwerk der frauen-unternehmen e.V. bedankt sich und beim Verkaufsleiter der Fa. Strassacker herzlich für seine sehr interessante und ausführliche Führung durch das Werk. bm

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